Neuzeit

Nach 580 Jahren der Zugehörigkeit Gleisweilers zum Domkapitel Speyer erfolgte 1587 der Verkauf an die Kurpfalz. Noch in der Zeit des dreißigjährigen Krieges (1618-1648) schenkte Kaiser Ferdinand II im Jahre 1636 seinem Bruder Leopold das Oberamt Germersheim, wozu auch Gleisweiler gehörte. Ein Jahr später lebten aufgrund des verheerenden Krieges gerade noch 13 Männer in unserem Ort. Obwohl bereits zwei Jahre nach Kriegsende vom “köstlichen Wein” Geisweilers die Rede ist, dauerte es noch mehrere Jahrzehnte, bevor sich die Gemeinde von jahrzehntelangem Plündern, Morden und der Pest erholte. Der damals herrschende Kurfürst Karl Ludwig war es dann, der am 07.08.1650 in der Schweiz ein Einwanderungspatent erließ und einwanderungswillige Menschen in sein Land holte. Doch der Friede für das Dorf Gleisweiler wehrte nich lange. Als im Jahre 1685 Kurfürst Karl, Sohn Karl Ludwigs, kinderlos starb, erhob der Sonnenkönig von Frankreich, Ludwig XIV., Erbansprüche an der Kurpfalz, was in den Pfälzischen Erbfolgekrieg mündete. Auch zu Zeiten der Französischen Revolution 1789 blieb unser Dorf in der Folge nicht von Verwüstung verschont und war Schauplatz von schweren Revolutionskämpfen zwischen den Heeren Österreichs/Preussens und den französischen Republikanern. Im Frieden von Lunéville im Jahre 1801 kam das linke Rheinufer und damit auch Gleisweiler rechtlich in den Besitz der französischen Republik und 1804, dem Jahr der Kaiserkrönung Napoleon Bonaparts, traten in diesem ganzen Gebiet die modernen französischen Gesetzwerke, der Code civil, der Code Commerce und der Code pénal in Kraft. Die feudale Herrschaft mit der Leibeigenschaft gehörten der Vergangenheit an. Nachdem im Januar 1814 Frankreich das gesamte linksrheinische Gebiet wieder an Deutschland abgeben musste, stand die Pfalz zunächst unter österreichischer – bayerischer Verwaltung, genoß jedoch Sonderrechte und die liberale Gesellschaftsordnung blieb ihr erhalten. Diese zeigte sich ganz öffentlich in Form des Hambacher Festes, wo im Mai 1832 tausende Menschen, darunter vermutlich auch Gleisweilerer, als Höhepunkt frühliberaler Oposition die Deutsche Einheit, Freiheit und Demokratie forderten.

 

weiter zum 20. Jahrhundert